Wenn’s schimmelt …

Wenn’s schimmelt …
DI Susanne Draxler

… will möglicherweise ein Wasserschaden saniert werden. Dieser hätte durchaus eine Chance gehabt, gar nicht erst zu entstehen, sofern bedacht worden wäre, der Wasserversorgungsanlage Aufmerksamkeit zu widmen.

„Schimmel“ im Haus ist ein durchaus weit verbreitetes Phänomen und wieder im Vormarsch. Dabei ist das Thema sicher vielschichtig zu verstehen, was Ursache, Grundlage oder Art betrifft. Die Wirkung ist allerdings recht klar umrissen: allergische Reaktionen, Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen, Reizungen der Schleimhäute verursacht durch Sporen, Bruchstücke oder Stoffwechselprodukte der ungebetenen Einwohner. Die Problematik der Beurteilung setzt bereits bei der Bestimmung ein. „Schimmel“ ist keineswegs einheitlich, sondern der landläufige Sammelbegriff für mikrobielle Lebewesen, die auf Oberflächen Kulturen zu bilden vermögen. Das können auch Bakterien, Hefen oder Basidiomyzeten sein. Die Bestimmung, wer sich angesiedelt hat, regelt auch den Umgang bei der Entfernung.

Mehrere Faktoren

Ausschlaggebend für einen Befall ist das Zusammentreffen mehrerer Faktoren: das Vorhandensein von Keimen (wovon so gut wie immer auszugehen ist) und die idealen Umgebungsbedingungen in Form von Temperatur, Feuchte und Nährstoffangebot. Gerne besiedelt werden bspw. zellulosehaltige Untergründe wie Holzwerkstoffe, Gipskartonplatten oder Tapetenkleister, was bedeutet, dass nicht jeder Befall auch offensichtlich sein muss, weil er hinter der Innenausbauplatte versteckt sein könnte. Für die Auffindung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die jedenfalls aber Erfahrung in ihrer Anwendung benötigen. Weiters braucht es Verständnis für die vielfältigen Entstehungsmechanismen. Manche Ursachen sind einfach zu ermitteln und einfach zu bessern, wie im Bereich Nutzerverhalten richtiges Lüften. Schwerer wird es bei klimatisch bedingten Voraussetzungen. Generell hohe Luftfeuchtigkeit führt zu einem Niederschlag der Feuchtefracht an kühleren Oberflächen, wenn die Luft an diesen etwas abkühlt. So entsteht Sommerkondensat. Dieses Phänomen wird in den nächsten Jahren mit der Zunahme der schwülen Tage verstärkt werden und stellt mit Sicherheit eine Herausforderung für die Gebäudetechnik dar. An der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG sind die Daten dazu abrufbar. Hierin zeigt sich der natürliche Hintergrund.

Prävention

Große Schäden entstehen aber auch durch simple Nichtbeachtung von einfachen Präventivmaßnahmen im installationstechnischen Bereich. So manche Trinkwasseranlage ist in einem beeinträchtigten Zustand, sei es durch Überalterung, sei es durch mangelhafte Planung, Ausführung oder Fehlnutzung. Nicht selten findet man noch „Vorkriegsqualität“ gepaart mit fehlendem Verständnis für Wartung und Instandhaltung. Der mit Sicherheit früher oder später eintretende Korrosionsschaden liefert die Ursache für einen Schimmelbefall. Viele dieser Schäden wären durch rechtzeitige Vorsorge und Pflege der Trinkwasserversorgung mit überschaubaren Kosten vermeidbar. Tritt der Schaden erst einmal ein und verursacht möglicherweise auch noch einen Folgeschaden, wird rasch eine teure Großbaustelle daraus, die nicht selten auch noch rechtliche Konsequenzen nach sich zieht – abgesehen davon, dass auch gesundheitliche Folgen für die Betroffenen nicht auszuschließen sind. Spätestens dann ist Sanierung gefragt, sowohl installationstechnisch als auch hygienetechnisch, wobei das Zuziehen von Experten dringend anzuraten ist. Ingenieurbüros stehen gerne als solche unabhängigen Expert*innen zur Verfügung, wenn es darum geht, die bauliche und gebäudetechnische Situation zu erfassen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen, die Objektsicherheit zu beurteilen, aber auch bei eingetretenen Schäden zu beraten. Eine unabhängige Beratung böte dem Eigentümer eines Gebäudes die Vorteile, die Leistungen der Gewerke zu definieren und schon vorab mit vergleichsweise wenig Aufwand Schäden vermeiden zu können.

Vorsorgeprinzip

Es bleibt zu wünschen, dass dem Vorsorgeprinzip wenn schon nicht aus hygienischen, so doch wenigstens aus monetären Gründen Raum gegeben wird, um die in den nächsten Jahren zu erwartenden Wasserschäden aufgrund zunehmender Überalterung der Trinkwasseranlagen zu bremsen. Mit den häufiger werdenden Schwüleperioden wird das vermutlich nicht ganz so leicht gelingen …

Weiterführende Literatur:

Diesel Artikel wurde veröffentlicht in der Zeitschrift readING, Wien, September 2019. Hg.: Fachverband Ingenieurbüros in der WKO.

Über DI Susanne Draxler

Geschäftsführerin der Bluewaters GmbH.
Studium der Technischen Chemie/Chemieingenieurwesen, Mitarbeit im Forschungsinstitut für Energie- und Umweltplanung, Forschungsassistentin am Inst. für Kernphysik und Isotopenforschung, Universität Wien, planende und beratende Ingenieurin im Bereich Technische Chemie und Technischer Umweltschutz mit den Schwerpunkten Luft, Wasser, Boden, Schadstoffe und Energie.
Zertifiziert als Energiebeauftragte nach EN ISO 50.001, gelistet als Energieauditoren nach § 7,9 EEffG für Gebäude und Prozesse, qualifizierte Trinkwasserhygiene-Technikerin. Vorstandsmitglied des Evang. Waisenversorgungsvereins, Aufsichtsrätin der SHH GmbH, gelistete FEMtech-Expertin sowie Vizepräsidentin der VIENNA ENGINEERS, Geschäftsführende Gesellschafterin der TRIGONplan GmbH, persönlich haftende Gesellschafterin der TRIGONchem KG.

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